Neulich war ich mal wieder unterwegs zu einem Mixed-Media-Workshop, in dem ich die Collage erstellte, die unten zu sehen ist. Ich bediente mich unter anderem des Bildes „Ruhende Pferde“ (1911/12) von Franz Marc und klebte auch etwas Goldpapier hinein. Dann begegnete mir diese Woche ein Text, den ich schon vor ein paar Jahren geschrieben habe und in dem es nicht nur, aber auch um Gold geht, um einen Tupfen Gold (ebenfalls unten zu lesen).
Ruhende Pferde, weite Landschaften – das ist für mich gerade ein Sinnbild meiner Sehnsucht nach Stille und Erholung. Pferde sind so „stattliche“ Tiere, ihre weichen, warmen Nüstern sind sehr besonders, es ist lange her, dass ich in den Genuss kam, Pferdenüstern zu streicheln. Dazu müsste ich mich wohl ins Umland aufmachen. Aber sicher würde ich mich dann nicht der Pleinairmalerei widmen (und wäre damit keine Pleinairistin, das Wort gibt es wirklich), und schon gar nicht würde ich versuchen, ein Pferd zu zeichnen. Dafür reichen meine Zeichenkünste nicht aus.
So erlaube ich mir, mich mit fremden (gemeinfreien) Federn zu schmücken, sie für meine Collage zu verwenden, wie sie sich schön einfügen in den selbst gestalteten Hintergrund und in gewisser Weise „erhöht“ durch die goldfarbenen Papierschnipsel, die den Blick lenken. Mein Dank geht hier an Theresa Rose Großecosmann, mit der ich im Seminar die Komposition besprach und die mir noch einen entscheidenden Tipp gab.
Und wie es das „Lied der Ruhelosen“ ahnen lässt, war das Experimentieren mit unterschiedlichen Farben, Glasflächen und Spachteln wieder ein Vergnügen und ein Abenteuer, weil meist nicht so ganz klar ist, was „am Ende“ dabei herauskommt. Erholung findet dann in dem Sinne statt, dass ich aufs Kreative fokussiert bin, im besten Fall im Flow bin, und alles andere in den Hintergrund tritt. Der Flow scheint mir ein erstrebenswerter Zustand, zumal nicht leicht zu erreichen. Er ist vielleicht das, was ein Musenkuss in Gang zu setzen vermag – und auf den kann mensch ja manchmal lange warten. Hoffen wir, dass uns eher die Muse küsst als ein Pferd, das wäre dann jedenfalls nicht so schmerzhaft …
Es fügt sich. 2026
Lied einer Ruhelosen
Ein Bett aus Farben Flächen Formen
aus Schwüngen und Linien
mich hineinlegen
mich umschließen lassen
von Farben Flächen Formen
Schwüngen und Linien
Das Sonnengelb lindert
meinen Schmerz und wärmt
das tiefe Blau weitet mein Herz
das Grün in seinen unendlichen
Schattierungen weckt meine
Zuversicht und das Rot
das tiefe schwere Rot lässt
mich daran denken dass ich
menschlich bin – endlich
Liebe und Tod ist das Rot
Und dann sind da noch
Weiß und Schwarz
Das Schwarz für die Konturen
die Schattenfarbe
Das Weiß für die Zartheit und
die Verblendung das Nebelhafte Ungenaue
Mildernde
Wenn die Farben mit Macht auf mich
einstürmen brauche ich das Weiß
erlaube ich mir eine Unschärfe
eine Pause vom Sehen
Und wie ich so die Farben mit Händen
greife entdecke ich einen Tupfen Gold
im Wirrwarr der Linien
Er ist Medizin dieser Tupfen
der strahlt in seiner Wärme
der allem Chaos den Moment Ruhe gönnt
Ich nehme ihn auf und
stecke ihn mir in den Mund
schmecke dieses ganz ungewohnte
Aroma weiter Landschaft
Er rinnt durch meinen Körper fließt
wie das Blut in jeden Innenwinkel und
gleitet aus meinem rechten Zeigefinger
wieder hinaus zurück aufs Papier
Nun ist sie in mir diese weite Landschaft
in der sich alle Farben spiegeln und auch
das Gold seinen Platz hat etwas versteckt zwar
doch auffindbar
Ein Bett aus Farben Flächen Formen
aus Schwüngen und Linien
das war mein Ausgangspunkt
Der Blick weitet sich in die Landschaft hinein
und der Atem beruhigt sich im Wissen um
diesen einen Tupfen Gold

