Ja, ich gehöre zu denen, für die ein Glas eher halb leer als halb voll ist. Dabei kommt es natürlich darauf an, was drin ist im Glas. Bei einer bitteren Medizin ist „halb leer“ schon die halbe Miete. Und das ist doch schon ganz schön viel. Ansichtssache also?

Gestern, am 23. Januar, war der Internationale Tag der Handschrift. Ja, den gibt es wirklich. Ich gehöre zu den Menschen, die sehr gerne mit der Hand schreiben. Manches begreife ich besser, wenn es schon einmal den Weg vom Gehirn oder aus dem Herzen durch die Hand aufs Papier genommen hat. Und manches haben andere so schön und tiefsinnig formuliert, dass ich es in meinem Notizbuch oder auf einem besonderen Blatt in einer besonderen (Hand-)Schrift festhalte, damit es mir ab und zu wieder „in die Hände fallen“ kann und mich erfreut – wie das wunderbare Haiku der japanischen Dichterin Teijo Nakamura (1900–1988).

Wir erleben die ersten sommerlichen Tage, es drängt uns hinaus. Unser Raum wird größer, die Kleidung luftiger, wir können Ballast abwerfen, uns freier bewegen. Und unser Herz – ist es frei in diesen Tagen oder trägt es schwer an etwas? Und wenn es schwer ist, wie könnte es leichter werden?

„Tabula rasa“ – mir gefällt dieser Ausdruck, er kommt gelegentlich in meinen Texten vor. Denn mir gefällt die Vorstellung: Tabula rasa – der ursprüngliche Zustand der Seele vor den ersten Einflüssen durch Eindrücke und Erfahrungen, sagt die Philosophie. „Eindrücke“, ein Wort, das dazu passt. In uns wird etwas hineingedrückt, wir werden „geprägt“, was ja auch ein Eindrücken ist, eine Formung, ein Geformtwerden. Damit betreten wir nun ein ziemlich weites Feld:

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Hier schreibt Edda Hattebier.

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