Manche Texte sprechen in Rätseln. Auch meine eigenen sprechen gelegentlich in Rätseln zu mir. Zwar habe ich sie selbst geschrieben, doch offenbaren sie sich mir nicht ganz. Ich spüre, dass sie „stimmen“, doch kann ich sie nicht bis ins Letzte deuten. Aber muss ich alles von meinen Texten wissen?
Das blaue komma ist nun ziemlich genau ein Jahr alt! Die ersten Einträge veröffentlichte ich im April 2018. Ein Jahr ist vergangen, wieder ist April, wieder ist Frühling. Wir können ganz untätig sein – und die Zeit vergeht doch. Sie ist flüchtig. Nicht fassbar. Außer an Zeichen um uns herum.
Wir befinden uns gerade in einer besonderen Zeit zwischen Altem und Neuem, Dunkelheit und Licht. Vielleicht hat uns das alte Jahr erschöpft und das neue soll uns neue Kraft geben, heller sein, leichter, großartiger oder einfach nur ruhiger. Vielleicht war es ein erfolgreiches Jahr, erfüllte Monate voller schöner Ereignisse, und das möge nun natürlich so weitergehen.
Während wir noch ganz eifrig unseren diversen Beschäftigungen nachgehen und sich die Vorweihnachtszeit vor uns auftut, die manche in Hektik versetzt, andere in Entzücken und wieder andere so gar nicht interessiert, zieht sich die Natur in ihre Ruhephase zurück. Sie hat für dieses Jahr genug getan und mit der großen Trockenheit ihre eigenen Anstrengungen erlebt.
Nur hier und da gönnt sie uns noch einen Tupfen Farbe …
Neulich tat ich einen Schritt – und er ging ins Leere. Eine Treppenstufe zu übersehen lehrte mich nicht gleich das Fliegen, wohl aber die Fragilität der körperlichen Unversehrtheit. Mit Glück im Unglück, mit Schiene und Krücken hatte ich auf einmal viel Zeit zum Sitzen und Schauen.

